BTMG und Beschaffungskriminalität

BTMG und Beschaffungskriminalität

Beitragvon MatthiasDilthey » 11. Januar 2012, 22:18

Schon seit den allerersten Menschheitszeiten (und auch im Tierreich) versetzen sie sich mit unterschiedlichsten Mitteln in Rauschzustände.

Die Mittelskala reicht dabei von „Tanz bis zur Trance“, vergorenen oder giftigen Pflanzen bis hin zu heute verfügbaren synthetischen Drogen.

Alle Versuche, Rauschmittel wirksam zu verbieten, sind kläglich gescheitert. Noch nie waren Rauschmittel in einer so breiten Angebotspalette in so großer Menge zu jeder beliebigen Zeit für nahezu jeden frei zugänglich, vergfügbar. Und das, obwohl der Staat Abermillionen Euro in die Drogenfahndung investiert und der Drogenhandel unter drastische Strafe (in machen Ländern bis hin zur Todesstrafe) gestellt ist.

Betrachtet man die Entwicklung des Drogenkonsums, der Drogen und der geographischen Regionen, so kommt man zu folgendem Schluß:

Jede geographische Region hatte seit Urzeiten ihre spezielle Droge, so z.B. in Mitteleuropa Alkohol, in Amerika Kokain, Myristicin, Mescalin, im Orient Opium. Der Genuß dieser „Regionaldrogen“ über viele Tausende von Jahren hinweg hat keinen ernsthaften gesellschaftlichen Schaden hinterlassen. Anderenfalls wären diese Völker nicht überlebensfähig gewesen. Erst der Transfer der Drogen von einer Region in eine Fremde, brachte Probleme. Es fehlt an dem über lange Perioden erlernten Umgang der Gesellschaft mit der „Traditionsdroge“. Vor einem ähnlichen Problem steht die Gesellschaft mit neueren Drogen, deren Abhängigkeitspotential zum Teil untragbar hoch ist. So wurde aus Wein Schnaps, aus Opium Heroin, aus Koka-Blättern wurde Kokain. Bei neuesten Drogen wie z.B. LSD oder Extacy finden sich in keiner Gesellschaft traditionell erlernte Erfahrungen im Umgang damit.

Ein weiteres, schwerwiegendes Problem der globalisierten Drogenwelt bereitet die Beschaffungskriminalität. Zumal der in der Illegalität lebende Drogen-Dealer immer versuchen wird, seine Kunden durch Verschnitt „weicher Drogen“ oder durch Überredung zum Konsum von Drogen mit hohem Abhängigkeitspotential zu bewegen, um seinen Ertrag und Absatz zu sichern. Der Suchtkranke wird sich dann die notwendigen Finanzmittel zur Befriedigung seiner Sucht so oder so beschaffen. Eine Vielzahl von Verbrechen sind auf Beschaffungskriminalität zurückzuführen. Angefangen beim Taschendiebstahl, über die illegale Prostitution bis hin zum Raubmord.

Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Tat selbst, als auch durch die notwendige Polizeiarbeit und den anschließenden Strafvollzug, ist gigantisch und nicht länger tragbar.

Wie die Erfahrung zeigt, sind die bisherigen Maßnahmen weitestgehend erfolglos, jedoch würde eine Freigabe aller Drogen weder ethisch noch volkswirtschaftlich vertretbar sein.

Ein 3-stufiges Modell könnte einen Ausweg aus dem Dilemma bieten:

1. Den Umgang mit Drogen vernünftig schulen und gleichzeitig Wege zur Erlangung einer stabilen Persönlichkeit aufzeigen

2. Einige „weiche Drogen“ bedingt über konzessionierte Händler freigeben. So würde sichergestellt, daß die Drogen wenigstens nicht gepanscht wären.

3. Wer dennoch von harten Drogen (z.B. Heroin) abhängig wird, sollte die Droge kostenlos oder sehr günstig zum sofortigen Gebrauch bei speziellen Stellen (Fixerstuben) erhalten.


Die Vorteile dieses Modells liegen auf der Hand:

Wegfall der Beschaffungskriminalität, Senkung der Krankheitskosten durch Wegfall der Übertragung von Aids, Hepatitis C etc., drastische Senkung der Nachfrage nach der Droge auf dem Schwarzmarkt, was zum Zusammenbruch der Drogenkartelle führen würde und somit kein Angebot auf dem Schwarzmarkt mehr vorhanden wäre. Denn der Süchtige ist als Kunde dem Dealer verloren.

Ein weiterer Vorteil der „Fixerstuben“ besteht darin, daß der Kontakt zum Suchtkranken nicht abreißen kann und so auf diesen hinsichtlich einer Therapie eingewirkt werden kann.
„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”
(Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie)
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